St. Anna – Kirche im Dorf, Herz der Gemeinschaft

Verwurzelt und offen: Die Kirche St. Anna im Wandel der Zeit

Wer in Stromberg auf dem kleinen Hügel steht, wo die St.-Anna-Kirche über das Dorf blickt, spürt sofort: Dies ist kein Ort wie jeder andere. Hier schlägt seit über hundert Jahren das stille Herz einer Gemeinschaft. Unaufdringlich, aber unverkennbar. Vielleicht ist es gerade diese Bescheidenheit, die den Reiz von St. Anna ausmacht – eine Kirche ohne Prunk, aber voller Geschichte. Ein Ort, der lebt – durch die Menschen, die ihn über Generationen geprägt haben.

Eine Kirche für das Dorf

Als der Neubau im Jahr 1922 eingeweiht wurde, war Stromberg noch ein überwiegend landwirtschaftlich geprägter Ort. Die Menschen gingen zu Fuß zur Kirche, trugen ihre Sorgen in der Stille des Gotteshauses vor Gott – und kamen oft gestärkt wieder heraus. Die Glocken von St. Anna strukturierten den Tag, begleiteten den Sonntag, riefen zum Gebet und zum Abschied. Viele Strombergerinnen und Stromberger verbinden mit dieser Kirche Kindheitserinnerungen: an das erste Mal Ministrieren, an die festlich geschmückte Krippe, an das laute „Großer Gott, wir loben dich“ bei der Kommunion der Enkel.

Wandel und Weitblick

In den 1960er Jahren wurde St. Anna zu klein – und unter der Leitung des Architekten Otto Balmert um einen modernen Anbau erweitert. Die Fenster, die bei dieser Erweiterung entstanden, stammen vom Glasmaler Johannes Beeck. Sie erzählen keine Geschichten im klassischen Sinn, sondern sprechen in Farben, Formen und Licht. Wer bereit ist, sich auf sie einzulassen, entdeckt im wechselnden Tageslicht das ganze Spektrum der menschlichen Existenz – vom Durchscheinenden bis zum Undurchdringlichen. Auch der Tabernakel, ein Werk eines Goldschmieds aus Koblenz-Horchheim, trägt diese Handschrift des Handgemachten, des Ehrlichen, des Bleibenden.

Ein Ort, der Menschen verbunden hat

Was diese Kirche besonders ausmacht, ist nicht allein ihre Architektur – sondern das, was in ihr geschieht: Geburten und Beerdigungen, erste Schritte auf dem Glaubensweg und stille Gebete zwischendurch. Generationen von Strombergerinnen und Strombergern haben hier zusammen Weihnachten gefeiert, Maiandachten gehalten, Hochzeiten erlebt, gestritten, gelacht, gesungen, gehofft. Die Kirche war Raum und Rückhalt zugleich. Nicht perfekt. Aber offen. Nicht groß. Aber groß genug, um Trost zu fassen.

Und heute?

St. Anna ist auch im Wandel der Zeit geblieben, was sie immer war: ein Ort, der mehr ist als ein Gebäude. Ein Stück Alltag und ein Stück Ewigkeit. Wer hier einmal seinen Platz gefunden hat, wird ihn nicht vergessen. Und wer heute in die Kirche tritt, spürt: Dieser Ort ist offen. Für Erinnerungen. Für Hoffnung. Für das, was kommen mag.

Wohin der Weg führt?

Wie es mit St. Anna weitergeht, ist ungewiss. Die Kirche ist offen – noch. Aber viele in der Gemeinde wissen: Wenn eines Tages etwas Größeres instandgesetzt werden müsste, wird es kein Geld mehr vom Bistum geben. Die finanzielle Verantwortung liegt längst nicht mehr bei der Ortsgemeinde. Und so steht über allem die unausgesprochene Frage, die leise, aber deutlich im Raum steht: Wie lange noch?

Es ist diese Unsicherheit, die viele schmerzt – nicht nur aus Glaubensgründen, sondern auch, weil mit der Kirche ein Stück Heimat auf dem Spiel steht. Ein Ort, der für viele Menschen mit biografischen Tiefen verwoben ist.

Noch aber ist St. Anna ein lebendiger Ort. Und vielleicht liegt gerade darin die Chance: das Jetzt bewusst zu leben, die Türen offen zu halten – und sichtbar zu machen, wie viel Wert dieser Ort für das Dorf hat. Solange Menschen hier singen, beten, sich erinnern und neu beginnen, ist St. Anna kein Auslaufmodell, sondern ein lebendiger Teil der Gegenwart.